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Beispielprogramm Stutthof

Hier finden Sie Informationen für eine Gedenkstättenfahrt nach Stutthof. Die Informationen setzen sich zusammen aus einer kurzen historischen Kontextualisierung, einem Beispielprogramm und weiterführenden inhaltlichen wie organisatorischen Informationen.

Die folgenden Informationen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Bei dem Programm handelt es sich nicht um ein buchbares Angebot, sondern lediglich um ein beispielhaftes Programm, welches der Inspiration für das eigenständige Erstellen eines Programms dienen soll. Das Programm gilt es stets in Absprache mit den Referentinnen der jeweiligen Gedenkstätten und Lernorte zu gestalten. Aktuelle Informationen über die Öffnungszeiten der Lern- und Gedenkorte sind den jeweiligen Homepages zu entnehmen (eine Linkliste finden Sie unten). Sie selbst sind Expert*innen für Ihre Gruppe. (Stand: Dezember 2025)

Historischer Kontext

Ein kurzer Einstieg in die Geschichte des KZ Stutthof

Noch bevor die deutschen Truppen mit dem Überfall auf Polen den Zweiten Weltkrieg auslösten, begannen SS-Truppen mittels Zwangsarbeit im unweit von Danzig liegenden Dorf Stutthof ein Lager zu errichten. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs fungierte dieses Lager vorerst als Zivilgefangenenlager, in dem vorrangig aus der ehemaligen „Freien Stadt“ Danzig vertriebene Polen, die der sogenannten Intelligenzija angehörten, inhaftiert wurden. Diejenigen, die nicht ins Lager verschleppt wurden, wurden in den umliegenden Dörfern von den deutschen Besatzern erschossen. Ab 1940 fungierte das Lager als sogenanntes „Arbeitserziehungslager“ für polnische und sowjetische Zwangsarbeiter.

Nach seiner Eingliederung in das Lagersystem des SS-WVHA (SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt) im Jahre 1942 galt das Lager schließlich als „vollwertiges“ Konzentrationslager, das in den Folgejahren immer weiter ausgebaut wurde. Zu diesem Ausbau gehörte auch die Errichtung zahlreiche Außenlager – insgesamt zählte das Hauptlager Stutthof bis zu 105 Außenlager. In diesen wurde – wie im Hauptlager – für die deutsche (Kriegs-)Wirtschaft systemrelevante Zwangsarbeit betrieben, indem Inhaftierte zur Arbeit für Privatpersonen oder Unternehmen gezwungen wurden. Angesichts des enormen Anstiegs der Lagerpopulation dienten die Außenlager auch dazu, das überfüllte Hauptlager zu entlasten.

Die Lagerpopulation des KZ Stutthof

Zunächst blieb die Lagerpopulation überwiegend polnisch. Vereinzelt wurden internationale Inhaftierte, etwa aus Norwegen, Dänemark und Lettland, in das KZ Stutthof verschleppt. In der zweiten Kriegshälfte diente das KZ Stutthof der Aufnahme der Inhaftierten aus anderweitig überfüllten Konzentrationslagern, was wiederum die maßlose Überlastung des KZ Stutthof mit sich zog. Zehntausende Jüdinnen und Juden aus Ungarn und der Baltischen Ghettos wurden auf diesem Weg in das KZ Stutthof verschleppt. Die Jüdinnen und Juden machten von da an den Großteil der Lagerpopulation aus. Gleichzeitig hatten sie, aufgrund systematisch-ideologischer Vernichtungsabsichten, unter den Inhaftiertengruppen die geringste Überlebenschance. Von den rund 50.000 Jüdinnen und Juden, die in das KZ Stutthof verschleppt wurden, wurden mehr als die Hälfte ermordet.

Auch für die anderen Inhaftiertengruppen wies das KZ Stutthof eine hohe Mortalitätsrate auf. Die Überarbeitung der Inhaftierten, die zur Zwangsarbeit oder zum Ausbau des Lagers gezwungen wurden, die Misshandlungen durch die SS-Lagerführung und Kapos, die kalt-nass und sumpfige Topografie in und um Stutthof und die schlechte Ernährungslage zog zahlreiche Opfer mit sich. Dazu kamen grassierende Krankheiten, denen sich die Inhaftierten schutzlos ausgeliefert sahen. Auch die gezielte Ermordung der Inhaftierten – etwa durch „Vernichtung durch Arbeit“, letale Injektion oder durch die im September 1943 errichtete Gaskammer – trieb die Todeszahlen in die Höhe. Vor allem Jüdinnen und Juden wurden Opfer dieser systematischen Tötungsmechanismen.

Die Evakuierung des KZ Stutthof und seiner Außenlager

Ende des Jahres 1944 sollte das Lager angesichts des Vorrückens der Roten Armee evakuiert werden. Die Außenlager Stutthofs wurden Mitte Januar 1945 aufgelöst, die Inhaftierten in das Hauptlager umgeleitet. Etwa eine Hälfte der Lagerpopulation – zu diesem Zeitpunkt befanden sich etwa 47.000 Inhaftierte im Lagerkomplex KZ Stutthof – wurden zu Todesmärschen gezwungen, die sie unter anderem zu dem weiter von der Ostfront entfernt liegenden KZ Neuengamme bei Hamburg führen sollten. Tausende Evakuierte überlebten den Todesmarsch angesichts der Kälte, der mangelnden Ernährung, den Krankheiten und der Misshandlung nicht. Diejenigen, die nicht mehr die Kraft hatten, weiterzulaufen, wurden von den SS-Wachen erschossen. Die Überlebenden des Todesmarsches wurden dazu gezwungen, die Wehrmacht durch das Errichten von Panzergräben zu unterstützen. Auch hierbei kam es zu Todesopfern.

Das Schicksal der Inhaftierten, die im KZ Stutthof verblieben war ähnlich tragisch. Mangelhafte Ernährung und kursierende Krankheiten kosteten tagtäglich mehreren Hundert Inhaftierten das Leben. Im April 1945 wurde auch für die restlichen Überlebenden die Evakuierung eingeleitet. Sie sollten über den Seeweg in diejenigen Territorien verschleppt werden, die sich noch unter deutscher Kontrolle befanden. Knapp ein Drittel der Evakuierten überlebte dieses Manöver nicht.

Am 9. Mai 1945 wurde das Lager, in dem sich noch rund 150 Inhaftierte befanden, von der sowjetischen Armee befreit. Von den rund 110.000 Menschen, darunter Männer, Frauen und Kinder, die im KZ Stutthof aus den unterschiedlichsten Gründen als Inhaftierte gemeldet waren, überlebten nur an die 45.000 Menschen. Etwa 65.000 Inhaftierte starben im Lagerkomplex Stutthof. Etwa 40% der Todesopfer waren Jüdinnen und Juden.

  • Arolsen Archives: Häftlinge des Konzentrationslagers Stutthof. #StolenMemory Online Ausstellung, URL: https://arolsen-archives.org/stories/haeftlinge-des-konzentrationslagers-stutthof/, abgerufen am: 08.12.2025.
  • Jäger-Dabek, Brigitte: Konzentrationslager KZ Stutthof. Gehalten bis zum letzten Tag – KZ Stutthof, ein fast unbekanntes Konzentrationslager und Außenlager bei Danzig, in: Zukunft braucht Erinnerung. Das Online-Portal zu den historischen Themen unserer Zeit, November 2004, URL: https://www.zukunft-braucht-erinnerung.de/konzentrationslager-kz-stutthof/, abgerufen am: 15.12.2025.
  • MacQueen, Michael: Art. Stutthof Main Camp, in: The United States Holocaust Memorial Museum Encyclopedia of Camps and Ghettos 1 (2009), S. 1419-1424.
  • Krakowski, Stefan; Berenbaum, Michael: Art. Stutthof, in: Encyclopedia Judaica 19 (²2007), S. 277-278.
  • Orski, Marek: Art. Stutthof Subcamp System, in: The United States Holocaust Memorial Museum Encyclopedia of Camps and Ghettos 1 (2009), S. 1425-1426.


Gallerie


Beispielprogramm

Dieses Beispielprogramm enthält keine Essens- und Pausenzeiten – diese gilt es bei der selbstständigen Erstellung des Programm mitzudenken.

Tag 1 – Anreise

Tag 2 (voller Programmtag) → Danzig/Westerplatte

DauerProgrammbausteinOrt
1hEinführungsrunde, Programmvorstellung und ErwartungsabfrageUnterkunft/Seminarraum
2hHistorischer Stadtrundgang Danzig unter besonderer Berücksichtigung der Geschichte des Zweiten Weltkriegs
→ Erweiterungsmöglichkeit durch interaktive Spurensuche außerhalb des Führungskontexts
Stadt Danzig
2hFortsetzung des Rundgangs auf der WesterplatteWesterplatte
1hReflexion und Ausblick auf die kommenden Tage, Erteilung Arbeitsauftrag für Spurensuche, Besuch der Gedenkstätte und eigenständige ArchivarbeitUnterkunft/Seminarraum

Tag 3 (voller Programmtag) → KZ-GS Stutthof I

DauerProgrammbausteinOrt
2hBegleitete Führung durch die KZ-GS StutthofKZ-GS Stutthof
2,5hWorkshop (Rundgang als Ausgangspunkt):
„Der Weg des Häftlings”
„Und die Welt sagt Nein” (Völkermorde im Zweiten Weltkrieg und in der heutigen Zeit)
„…Worte brennen, also brennen Worte…” (Jacek Kaczmarski) (Propaganda im Dienste verbrecherischer Regime)
KZ-GS Stutthof
1hDokumentarfilmvorführung im Museumskino („Stutthof ein paar Tage später.“/„Galgen von Stutthof“) mit NachbesprechungKZ-GS Stutthof
1hTagesreflexion und AusblickUnterkunft/Seminarraum

Tag 4 (voller Programmtag) → KZ-GS Stutthof II

DauerProgrammbausteinOrt
1hMuseumsunterricht in der Form eines interaktiven VortragsKZ-GS Stutthof
1,5hEigenständige Erkundung der KZ-GS und Besuch der Dauerausstellung  KZ-GS Stutthof
2,5hSelbstständige Archivarbeit (mit Hinblick auf Arbeitsauftrag)KZ-GS Stutthof
1hTagesreflexion und Check-In Arbeitsauftrag eigenständige ArchivarbeitUnterkunft/Seminarraum

Tag 5 (voller Programmtag) → KZ-GS Stutthof III

DauerProgrammbausteinOrt
2,5hSelbstständige Archivarbeit (mit Hinblick auf Arbeitsauftrag)KZ-GS Stutthof
1,5hVorstellung der Ergebnisse im Plenum KZ-GS Stutthof
1hAbschied von der Gedenkstättefrei gewählter Ort
1hTagesreflexionUnterkunft/Seminarraum

Tag 6 (voller Programmtag) → Wald bei Szpęgawsk/Friedhof Zaspa 

DauerProgrammbausteinOrt
2hSpurensuche im Wald von Szpegawsk und Besuch des DenkmalsWald bei Szpęgawsk
1,5hSpurensuche auf dem Ehrenfriedhof Zaspa und Besuch des DenkmalsFriedhof Zaspa
1,5hZusammentragen der Ergebnisse der SpurensucheUnterkunft/Seminarraum 
1hReflexionUnterkunft/Seminarraum

Tag 7 (voller Programmtag) → Danzig/Museum des Zweiten Weltkriegs

DauerProgrammbausteinOrt
3hGeführte Besichtigung durch die Ausstellung des Museums des Zweiten WeltkriegsMuseum des Zweiten Weltkriegs
2,5hAbschluss in Danzig und Überlegung zur Nachbereitung der Fahrt (basierend auf gesammelten Eindrücken und der Arbeit im Archiv (z.B. Erstellung Texte, Bilder, Videos etc.)) Unterkunft/Seminarraum
1,5hFinale Auswertung, Reflexion und AusblickUnterkunft/Seminarraum

Tag 8 (Abreise)


Weiterführende Informationen

Hinweis: Ein Großteil der Informationen/Publikationen über das ehemalige KZ Stutthof und seine Außenlager liegen in polnischer Sprache vor.

  • Die Homepage der KZ-GS Stutthof, hier weiterführend zu empfehlen:
    • Kurzer Abriss der Geschichte des ehemaligen KZ Stutthof.
    • Virtuelle Tour der KZ-GS Stutthof, die sowohl das Außengelände zeigt als auch Einblicke in die sich auf dem Gelände gelegenen Anlagen gewährt.
    • Online-Katalog der Museumssammlung.
    • Liste der durch das KZ-GS Stutthof herausgegebenen Publikationen und Museumsheft
    • Bildungsangebot der KZ-GS Stutthof, mit Auflistung der angebotenen Workshops und Unterrichtseinheiten.

 

  • Lernpakete für die Vor- und Nachbereitung von Gedenkstättenfahrten, aufgearbeitet und zusammengestellt von Arolsen Archives: Lernpakete | Arolsen Archives

 

  • Online-Ausstellung des Arolsen Archives in Kooperation mit dem Museum Stutthof über das Schicksal der Inhaftierten des ehemaligen KZ Stutthof.

 

  • Digitales Archiv Chronicles of Terror (Zapisy Terroru), bietet eine Sammlung von Zeitzeugenaussagen/Erfahrungsberichten über das ehemalige KZ Stutthof.

 

 

 

  • Bingen, Dieter; Lengemann, Simon (Hrsg.): Deutsche Besatzungspolitik in Polen 1939-1945. Eine Leerstelle deutscher Erinnerung?, Bonn 2019. (Sammelband, unter „Leseprobe“ frei einsehbar auf der Website der Bundeszentrale für politische Bildung.)

 

  • Drywa, Danuta: Władysław Gębik in the Memoirs of Prisoners of the Stutthof and Mauthausen-Gusen Concentrations Camps, in: Museum Stutthof w Sztutowie (Hrsg.): „Poland – the Mother of ours” – Poles from Warmia, Masuria and Powiśle. Essays on the Centenary of Plebiscites, Stutthof 2020, S. 187-206.

 

  • Młynarczyk, Jacek Andrzej (Hrsg.): Polen unter deutscher und sowjetischer Besatzung 1939 –1945 (Einzelveröffentlichungen des Deutschen Historischen Instituts Warschau, 20), Göttingen 2010 (Open Access Sammelband, der sich mit der Vorgeschichte und den Auswirkungen der deutschen und sowjetischen Besatzung Polens auseinandersetzt).

 

  • Museum des Zweiten Weltkriegs; Museum Westerplatte: Seven Looks at Westerplatte. Presentation of the Findings of the First Stage of Archaeological Research on Westerplatte, Danzig 2019 (Präsentiert aktuelle archäologische Funde auf der Westerplatte).

 

  • Orski, Marek: Art. Stutthof Subcamp System, in: The United States Holocaust Memorial Museum Encyclopedia of Camps and Ghettos 1 (2009), S. 1425-1489 (Zusammensetzung zahlreichen Artikeln über einzelne Außenlager des KZ Stutthof).

 

  • Parzer, Robert; Rotzoll, Maike; Schulze, Dietmar: Die besetzte Anstalt. Die Psychiatrie in Kocborowo/Konradstein (Polen/Westpreußen) und ihre Opfer im Zweiten Weltkrieg, Köln 2019 (Exemplarische Biografien einiger Insassen der Anstalt Konradstein).

 

  • Sruoga, Balys: Der Wald der Götter, Langenthal 2007 (deutsche Übersetzung der Autobiografie eines Stutthofüberlebenden, erstmalig im Jahre 1957 auf Litauisch erschienen).

  • Buchverfilmung: „Der Wald der Götter“ (2005)
  • Dokumentarfilm: Das Mädchen mit dem lila Winkel. Wie die 18-jährige Hermi das Konzentrationslager überlebte. Ein Film von Fritz Poppenberg (2003)
  • Dokumentarfilm: Bernsteinland. Ein Todesmarsch in Ostpreußen (2010)