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Beispielprogramm Mauthausen und Gusen

Hier finden Sie Informationen für eine Gedenkstättenfahrt nach Mauthausen und Gusen. Die Informationen setzen sich zusammen aus einer kurzen historischen Kontextualisierung, einem Beispielprogramm und weiterführenden inhaltlichen wie organisatorischen Informationen.

Die folgenden Informationen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Bei dem Programm handelt es sich nicht um ein buchbares Angebot, sondern lediglich um ein beispielhaftes Programm, welches der Inspiration für das eigenständige Erstellen eines Programms dienen soll. Das Programm gilt es stets in Absprache mit den Referentinnen der jeweiligen Gedenkstätten und Lernorte zu gestalten. Aktuelle Informationen über die Öffnungszeiten der Lern- und Gedenkorte sind den jeweiligen Homepages zu entnehmen (eine Linkliste finden Sie unten). Sie selbst sind Expert*innen für Ihre Gruppe. (Stand: November 2025)

Historischer Kontext

Das KZ Mauthausen zu Beginn des Krieges 

Der 08.08.1939 markiert den Tag, an dem die ersten Häftlinge, ursprünglich aus dem KZ Dachau, in das KZ Mauthausen überstellt und zur Arbeit in den umliegenden Granitsteinbrüchen gezwungen wurden. Neben der ideologischen Absicht, das „deutsche Volk“ zu „reinigen“, folgte das Konzentrationslager Mauthausen einem ökonomischen Kalkül. Diejenigen Inhaftierten, darunter als sogenannte „Asoziale“ und „Kriminelle“ Verfolgte, sowie politische Gegner des NS-Regimes, die nicht zur Arbeit in der von der SS gegründeten „Deutsche Erd- und Steinwerke GmbH“ (DESt) abgestellt wurden, wurden damit beauftragt, das Konzentrationslager zu errichten. Vorerst wurden nur Österreichischer und Deutsche in das Lager Mauthausen überführt. Erst der Beginn des Krieges zog eine Diversifizierung der Häftlingsgruppen mit sich. 

Die Arbeitsbedingungen waren unmenschlich, die medizinische Versorgung unzureichend, die SS-Lagerführung zu maßlosen Gewaltausübungen bereit – die Todesrate stieg exponentiell. Weitere Außenlager wurden eingerichtet. Darunter befand sich auch das im Dezember 1940 eröffnete Zweiglager Gusen. Dieses wandelte sich immer mehr zum wirtschaftlichen Mittelpunkt des Lagerkomplexes.  Die aus dem Stammlager abgestellten Inhaftierten mussten das Zweiglager errichten – dabei wurde ein vorrangig wirtschaftlicher Impetus verfolgt. Ein Großteil der Häftlinge, vorerst vornehmlich polnischer und spanischer Herkunft, wurden zur Arbeit in den umliegenden Granitsteinbrüchen gezwungen, etwa zur Gewinnung von Steinen zur Errichtung der „Führerstadt Linz“. Die Arbeitsbedingungen waren miserabel – 1941 überstiegen die Todeszahlen sogar die des Stammlagers Mauthausen. 

Während die Häftlinge, die als arbeitsfähig erachtet wurden, auf die Zweig- und Außenlager verteilt wurden, wandelte sich das KZ Mauthausen allmählich zu einem Sterbelager. 1941 kamen erstmals gezielt Einrichtungen zur Ermordung von Menschengruppen zum Einsatz.  

Der Lagerkomplex Mauthausen-Gusen in der Zweiten Kriegshälfte 

In der zweiten Kriegshälfte wurden die Häftlinge, darunter nun auch Frauen, dazu angehalten, die Rüstungsindustrie am Laufen zu halten. dies zog eine vorübergehende Verbesserung der Lebensstandards mit sich. Die miserablen Arbeitsbedingungen, mit denen sich die Häftlinge beispielsweise bei der Errichtung unterirdischer Fabriken in Melk, Ebensee und St. Georgen konfrontiert sahen, sorgte jedoch alsbald für eine erneute Steigerung der Todesrate. 

Kurz vor Kriegsende verschlechterten sich die Zustände erneut. Inhaftierte aus umliegenden Lagern, die sich Nahe der Front befanden, wurden zu tausenden in das KZ Mauthausen umgeleitet. Krankheiten, Versorgungsmangel und Überfüllung sollten erneut zahlreichen Inhaftierten das Leben kosten. Am 05.05.1945 gelangten schließlich Truppen der US-Armee nach Mauthausen und Gusen. Sie befreiten einen Tag darauf endgültig die Lager. Von den rund 190.000 Personen, die über den Zeitraum von rund sieben Jahren in das KZ Mauthausen, Gusen und die umliegenden Außenlagern verschleppt wurden, überlebten nur knapp 100.000 Menschen. Tausende starben an den physischen und psychischen Nachwirkungen ihrer Gefangenschaft im Lagerkomplex Mauthausen-Gusen. 


Gallerie


Beispielprogramm

Dieses Beispielprogramm enthält keine Essens- und Pausenzeiten – diese gilt es bei der selbstständigen Erstellung des Programm mitzudenken.

Tag 1 (Anreise + voller Programmtag) → Linz

DauerProgrammbausteinOrt
MorgensAnreise
1,5hEinführungsrunde und Klärung der Grundbegriffe des NationalsozialismusUnterkunft/Seminarraum
2hHistorischer Stadtrundgang Linz mit Schwerpunkt ZeitgeschichteStadt Linz
1hReflexion und Ausblick auf die kommenden TageUnterkunft/Seminarraum

Tag 2 (voller Programmtag) → KZ-GS Mauthausen I

DauerProgrammbausteinOrt
4hBegleitete Führung und Workshop (mit Vor- und Nachbesprechung) 
Auswahl Workshop:
Lebensgeschichten 
ODER 
Mauthausen erzählen 
KZ-GS Mauthausen 
1hFilmvorführung „Die Geschichte des KZ Mauthausen“ + Nachbesprechung KZ-GS Mauthausen 
1hReflexion + Erteilung Arbeitsauftrag für den kommenden Tag Unterkunft/Seminarraum 

Tag 3 (voller Programmtag) → KZ-GS Mauthausen II

DauerProgrammbausteinOrt
1,5hWorkshop „Museum“ (inkl. Besuch der Dauerausstellung) KZ-GS Mauthausen 
2hEigenständige Erkundung der KZ-GS Mauthausen in Kleingruppen (mit Hinblick auf Arbeitsauftrag) KZ-GS Mauthausen 
1hVorstellung der Ergebnisse im Plenum  KZ-GS Mauthausen 
2hReflexion und Ausblick auf den kommenden Tag Unterkunft/Seminarraum 

Tag 4 (voller Programmtag) → KZ-GS Gusen

DauerProgrammbausteinOrt
2hBegleitete Führung durch die KZ-GS Gusen KZ-GS Gusen 
1hBesuch Dauerausstellung/Memorial KZ-GS Gusen 
2,5hAudioweg Gusen   KZ-GS Gusen 
1hAbschied von den Gedenkstätten Frei gewählter Ort
1hReflexionUnterkunft/Seminarraum 

Tag 5 (Abreise + voller Programmtag) → Linz

DauerProgrammbausteinOrt
2,5hAbschluss in Linz und Überlegung zur Nachbereitung der Fahrt basierend auf gesammelten Eindrücken (z.B. Erstellung Texte, Bilder, Videos etc.) Unterkunft/Seminarraum 
1,5hFinale Auswertung, Reflexion und Ausblick (z.B. Erinnerungsorte zu Hause) 
→ bspw. Unterschiede in der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit in den KZ-GS Mauthausen/Gusen  
Unterkunft/Seminarraum 
MittagsAbreise

Weiterführende Informationen

  • Die Homepage der KZ-GS/Memorial Mauthausen, hier weiterführend zu empfehlen:
      • Unterseite Wissen, welche gebündelte und leicht zugängliche Informationen über die Geschichte des KZ Mauthausen liefert.
      • Anschaulich aufbereitetes Unterrichtsmaterial, bereitgestellt durch die KZ-GS Mauthausen (soll der Vor- und Nachbereitung des Besuchs der KZ-GS dienen).
      • Interaktive Karte mit weiterführenden Links zu den Außenlager des ehemaligen KZ Mauthausen.
      • Zeitzeugeninterviews der Überlebenden des ehemaligen KZ Mauthausen und seinen Außenlagern im Videoformat.
      • Zentrale Archivdatenbank der KZ-GS Mauthausen (vorherige Registrierung notwendig).
      • Open-Access-Zeitschrift coMMents (chronicle of the Mauthausen Memorial: current studies)
        • Open-Access-Zeitschrift der KZ-Gedenkstätte Mauthausen für wissenschaftliche Artikel zur Geschichte des KZ-Mauthausen und seiner über 40 Außenlager. (Zwei Ausgaben)

 

  • Homepages der Gedenk- und Lernorte der Außenlager des ehemaligen KZ Mauthausen (Auswahl)

 

  •  Karte der Erinnerungsorte an die NS-Zeit (Linz): indd

 

 

  • Dreiteilige Publikation zur Geschichte des KZ Mauthausen, mit einem Fokus auf die Geschichte der Überlebenden (Open Access).
      • Botz, Gerhard et al.: Mauthausen und die nationalsozialistische Expansions- und Verfolgungspolitik (Europa in Mauthausen. Geschichte der Überlebenden eines nationalistischen Konzentrationslagers, 1), Wien et al. 2021.
      • Botz, Gerhard et al.: Deportiert nach Mauthausen (Europa in Mauthausen. Geschichte der Überlebenden eines nationalistischen Konzentrationslagers, 2), Wien et al. 2021.
      • Botz, Gerhard et al.: Gefangen in Mauthausen (Europa in Mauthausen. Geschichte der Überlebenden eines nationalistischen Konzentrationslagers, 3), Wien 2024.

 

  • Colombo, Pedro J.; Landa, Aintzane; Rubio, Salva: Der Fotograf von Mauthausen, Wien ³2024. (Anschaulich gestaltet, zahlreiche Originalaufnahmen und Beiträge von Historiker*innen (Graphic Novel)).

 

  • Baumgartner, Andreas; Kropf, Rudolf: „Man hat halt mit dem leben müssen“. Nebenlager des KZ-Mauthausen in der Wahrnehmung der Lokalbevölkerung (Endbericht eines Forschungsprojekts des Mauthausen Komitee Österreich). (Open Access)
      • Beschäftigt sich mit der Wahrnehmung der Hauptlager Mauthausen und den Nebenlagern Gusen, Melk, St. Valentin, Lenzing und Gunskirchen in der zeitgenössischen Bevölkerung, aufbauend auf entsprechenden Interviews.

 

  • Dürr, Christian u.a.: Konzentrationslager Gusen 1939–1945. Eine Dokumentation, Wien 2024.
      • Im Besucherzentrum der KZ-Gedenkstätte Mauthausen erhältlich.

 

  • Perz, Bertrand: Gusen I und II, in: Benz, Wolfgang; Distel, Barbara (Hrsg.): Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Flossenbürg, Mauthausen, Ravensbrück (Band 4), München 2006, S. 293–346.

 

  • Dokumentation: Die Geschichte des KZ Mauthausen, einsehbar und frei zugänglich im ORF-Archiv (aus 2015).
      • Diese Dokumentation wird in der KZ-GS Mauthausen gezeigt.

 

  • Film: Erinnerungen an Gusen. Das Konzentrationslager in den Erzählungen von Überlebenden. (Basiert auf Videointerviews mit Überlebenden des Konzentrationslagers Gusen.)

 

  • Spielfilm: “Hasenjagd – Vor lauter Feigheit gibt es kein Erbarmen” (1994)
      • Beschäftigt sich mit den Ereignissen vor, während und nach der Mordaktion sogenannten “Mühlviertler Hasenjagd” im Jahr 1945.
      • Im Bookshop der KZ-GS Mauthausen erwerblich oder – in geringerer Qualität – frei einsehbar auf YouTube.

 

 

  • Podcast-Folge auf Spotify (Anno PunktPunktPunkt: Podcast für aktuelle Forschung aus der Geschichtswissenschaft): Der KZ-Komplex Mauthausen vor Gericht.