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Methodenfortbildungen des IBB e.V.

Spurensuche vor Ort zur Vorbereitung auf eine Gedenkstättenfahrt mit Jugendlichen

Von den Spuren der NS-Geschichte vor der eigenen Haustür bis zur Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz, Buchenwald oder Dachau: Einen weiten Bogen spannten sechs, teilweise parallel laufende Methodenfortbildungen für Gedenkstättenfahrten mit Jugendlichen, die die Zentralstelle zur Förderung von Gedenkstättenfahrten im Zeitraum vom 27. Oktober bis 22. Mai 2021 in Kooperation mit dem Internationalen Bildungs- und Begegnungswerk e.V. in Dortmund angeboten hatte.

Denn bei Gedenkstättenfahrten spielen eine gute Vor- und Nachbereitung zunehmend eine zentrale Rolle. Bereits vor Ort kann ein Bezug zur Lebenswelt der Jugendlichen hergestellt werden, der am jeweiligen Ziel der Gedenkstättenfahrt vertieft wird und möglicherweise ein nachhaltiges Engagement initiiert. Zudem bieten regionale oder lokale Lernorte unter den aktuellen Bedingungen der Corona-Pandemie interessante Chancen für die (historisch-) politische Bildung.

Ausschnitt aus einem Comic aus der Methodenfortbildung. Diese Zeichnung wurde eingescannt, um sie im digitalen Seminarraum gemeinsam bearbeiten zu können.

Im Mittelpunkt der Methodenfortbildungen standen die Planung einer Gedenkstättenfahrt und die Vermittlung eines Portfolios an Methoden für eine zielgruppengerechte Gestaltung. Auf der Moodle-Plattform www.bildung-ev-nrw.de wurden den Teilnehmenden Materialien, Medien und Aufgaben zum Selbststudium zur Verfügung gestellt. Die Inhalte und Arbeitsergebnisse wurden in Videokonferenzen präsentiert, diskutiert und vielfältig dokumentiert. Eine Herausforderung bestand darin, dass Methoden nicht direkt an einem Lernort der NS-Geschichte angewandt werden konnten, sondern in den digitalen Seminarraum verlegt werden mussten. Die Kartenarbeit zum Beispiel erfolgt allerdings schon seit längerer Zeit nicht mehr anhand von Plänen aus Papier, sondern mit digitalen Tools wie der Ethermap, die nun in den virtuellen Zusammenkünften gemeinsam am Monitor bearbeitet wurde.

Die Zeitstrahlmethode und Bilderassoziationen wurden auf das Jamboard oder Padlet verlegt. Arbeitsergebnisse wurden fotografiert und über Screensharing im virtuellen Seminarraum gezeigt. Im Dialog lernten die Teilnehmenden besonders auch die digitalen Tools kennen und schätzen.

Start des letzten Seminars

Jocelyne Jakob, Referentin für historisch-politische Bildung im IBB e.V., leitete die sechs digitalen Methodenfortbildungen.

„Wir setzen digitale Tools schon seit mehreren Jahren auf unseren Gedenkstättenfahrten ein, weil sie interessante didaktische Möglichkeiten eröffnen“, sagt Jocelyne Jakob, Referentin für historisch-politische Bildung beim IBB e.V. „Die Tools stehen allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern natürlich auch für die eigene Erinnerungsarbeit weiterhin zur Verfügung.“

In den sechs digitalen Methodenfortbildungen des IBB e.V. entstand durch die engagierte und kreative Mitarbeit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein über das Seminarende hinaus zur Verfügung stehendes Wiki zur Spurensuche vor Ort: Stadtrundgänge entlang von Stolpersteinen, eine Spurensuche an ungewöhnlichen Orten wie zum Beispiel einer psychiatrischen Klinik oder die Erschließung von lokalen Lernorten der NS-Geschichte verknüpften die Teilnehmenden inhaltlich geschickt mit den geplanten Gedenkstättenseminaren. Die konkreten Beispiele lassen sich meist auch in abgewandelter Form auf andere Städte und Erinnerungsorte übertragen.

Alle Gruppen profitierten dabei von ihrer diversen Zusammensetzung. Teilnehmende wählten sich nicht nur aus Nordrhein-Westfalen ein, sondern unter anderem aus Berlin, Hamburg, Leipzig und Karlsruhe. Sie bereicherten die Fortbildungen durch ihre unterschiedlichen Erfahrungen in der schulischen und außerschulischen Bildungsarbeit und ihre Kenntnis unterschiedlicher lokaler Erinnerungsorte. Als inspirierend für alle Teilnehmenden erwies sich zudem der Austausch über konkrete Pläne für Gedenkstättenfahrten unter anderem mit jungen Geflüchteten und der allgemeine Erfahrungsaustausch. So äußerten die Teilnehmenden den Wunsch nach weiteren, auch kürzeren digitalen Fortbildungen wahlweise mit und ohne Präsenzanteil.

Viele Fragen drehten sich zudem um die Gestaltung von Gedenkstättenfahrten für bi- oder multinationale Gruppen. Um das offensichtlich wachsende Interesse an einer Grenzen überwindenden Arbeit an einer europäischen Erinnerungskultur aufzufangen, sei allerdings eine gezielt auf das Thema abgestimmte Methodenfortbildung zu konzipieren.

Alle sechs Fortbildungen wurden gefördert durch die Bundeszentrale für politische Bildung. Weitere Fortbildungen sind geplant.

Methodenfortbildungen des BW HU

Methodenfortbildungen: Bildungswerk der Humanistischen Union deckt das Bilderbuffet und füllt den Materialspeicher

Deckblatt des Veranstaltungsflyers für die Methodenfortbildung in Kooperation mit dem Bildungswerk der Humanistischen Union

Ein Bilderbuffet auf dem Bildschirm und am Ende eine wachsende Materialsammlung für alle: Zwei digitale Methodenfortbildungen mit dem Titel  „…irritierende Orte in der historisch-politischen Bildung“ bot die Zentralstelle zur Förderung von Gedenkstättenfahrten vom 14. Oktober bis 18. November 2020 und vom 13. Januar bis 3. Februar 2021 in Kooperation mit dem Bildungswerk der Humanistischen Union und dem Erinnerungsort Alter Schlachthof Düsseldorf an.

Als „irritierende Orte“ bezeichnete das Bildungswerk der Humanistischen Union Lernorte der NS-Geschichte: Besucher wie auch Teamerinnen näherten sich diesen Orten häufig mit der mehr oder weniger unausgesprochenen Erwartung mit Erinnerungsstücken oder historischen Fakten irritiert, verunsichert oder zum Nachdenken angeregt zu werden. NS-Gedenkstätten und Erinnerungsorten werde zudem zunehmend ein hohes Maß an Bildungsaufgaben zugeschrieben, das über die Vermittlung des geschichtlichen Wissens hinausgeht: Gedenkstättenseminare werden demnach häufig mit Anspruch verknüpft, einen Teil zur Menschenrechtsbildung und Demokratieerziehung beizutragen. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an die Gestaltung von Gedenkstättenseminaren, schildert das Bildungswerk der Humanistischen Union.

Die Fortbildungen setzten deshalb nicht nur auf innovative Methoden zur Geschichtsvermittlung, sondern thematisierten auch die Rolle der Teamenden,  Erwartungshaltungen der Teilnehmenden und auch die Sprache als Vermittlungsmedium. Zudem stellen Jugendliche häufig spannungsreiche Gegenwartsbezüge her: Alltagsrassismus, Antisemitismus und rechte Gewalt sind immer wieder Themen auf den Gedenkstättenfahrten und -seminaren. Häufig sind die Gruppen auch heterogen zusammengesetzt. Unterschiedlich tiefes Vorwissen, persönliche Eindrücke und unterschiedliche Perspektiven auf die Erinnerungsorte müssen aufgefangen und bearbeitet werden. Die Leitung von Gedenkstättenfahrten und –seminaren erfordere daher ein hohes Maß an pädagogischer Erfahrung und Fingerspitzengefühl.

Die Methodenfortbildungen zur Leitung von Gedenkstättenfahrten mit Jugendlichen behandelten deshalb inhaltlich nicht nur Fragen zur Konzeption einer Gedenkstättenfahrt, sondern auch Anregungen zur Vorbereitung mit Bezügen zu lokalen Erinnerungsorten und Ideen, wie das bei den Jugendlichen geweckte Interesse an der NS-Geschichte auch nach Abschluss eines Seminars wachgehalten und mit neuen Projekten fortgeführt werden kann.

Kritisch thematisiert wurden in den Fortbildungen aktuelle Diskurse über kollektives Erinnern und „Gegenwartsbewältigungen“ (Max Czollek) und anhand des Kurzfilms „Mazel Tov Cocktail“ auch die Frage, ob überhaupt aus negativer Geschichte etwas für die Gegenwart zu lernen sei, die der Soziologe Harald Welzer und andere thematisiert haben.

Wie in digitalen Lernformaten üblich, wurden die Inhalte teilweise gemeinsam, in Kleingruppen und Einzelarbeit erarbeitet und zusammengetragen. Am Ende stand eine weiter wachsende Sammlung von Materialien und Praxis-Ideen in einer Cloud bereit, die durch Handreichungen und fertige Methodensammlungen, etwa aus der Arbeit der NS-Dokumentation Ordensburg Vogelsang und aus dem Kontext der Arbeit des Fritz-Bauer-Instituts Frankfurt ergänzt wurden. So schufen die Teilnehmenden einen wachsenden Materialspeicher statt wie sonst üblich einen Methodenkoffer.

Zudem erprobten die Teilnehmenden auch innovative Methoden der Seminararbeit wie das Bilderbuffet, bei dem sich die Teilnehmenden aus 20 angebotenen Fotos bedienen durften, die – nicht immer klar ersichtlich – mit Orten und Themen der NS-Geschichte in Zusammenhang stehen und die Selbst-Vorstellung und den Einstieg in eine offene Diskussion erleichtern – was gerade bei rein digitalen Formaten erfahrungsgemäß schwieriger ist. Für die Feedback-Runden wurden das Fünf-Finger-Feedback, das One-Minute-Feedback und die Stille Diskussion erprobt. Zur digitalen Zusammenarbeit wurden das Padlet und das Jamboard eingesetzt. An kritischen Fragen – etwa israelbezogenem Antisemitismus oder gegenüber Konzepten einer „multidirectional memory (Michael Rothberg) – geriet die Diskussion im digitalen Seminarraum freilich an Grenzen.

Als inspirierend für alle Teilnehmenden erwies sich die heterogene Zusammensetzung der Seminarteilnehmenden: Erfahrene Teamende und Neueinsteigende, ehrenamtlich Tätige und ausgebildete Lehrkräfte, jüngere und ältere führten Fragen und Erfahrungen in einem für alle inspirierenden Austausch zusammen.

Als deutlicher Vorteil der digitalen Fortbildungsformate erwies sich, dass ein großer Kreis von Interessierten erreicht werden konnte. Um einen lebhaften Austausch und eine intensive Zusammenarbeit an den Seminarinhalten zu ermöglichen, sollte die Gruppe der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an einer digitalen Fortbildung allerdings auch nicht zu groß sein, so die Erfahrung.

Ein ursprünglich geplanter Besuch des Lernorts Alter Schlachthof Düsseldorf musste Corona-bedingt abgesagt werden.

Alle Fortbildungen wurden gefördert durch die Bundeszentrale für politische Bildung.

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Jugend erinnert: Auftakt

Programm “Jugend erinnert”: Bundesregierung erhöht Mittel für Gedenkstättenfahrten bereits für 2019

Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey und Außenminister Heiko Maas haben heute (29. Januar 2019) in Berlin die internationalen Schwerpunkte des Programms „Jugend erinnert“ vorgestellt. Die gute Nachricht für Jugendliche und Träger der außerschulischen Jugendarbeit: Die Bundesregierung erhöht die Fördermittel für außerschulische Gedenkstättenfahrten für 2019 und 2020 auf insgesamt 2,5 Millionen Euro. Damit können etwa 500 Fahrten von Jugendgruppen zu Lernorten der Geschichte gefördert werden. Mehr als 10.000 Jugendliche können teilnehmen. Anträge können ab sofort an die IBB gGmbH als Zentralstelle des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gestellt werden.

Außenminister Heiko Maas und Bundesfamilienministerin Franziska Giffey stellen Programm „Jugend erinnert“ in Berlin vor

„Wir möchten möglichst vielen jungen Menschen den Besuch eines Lernorts der NS-Vergangenheit ermöglichen“,

sagte Familienministerin Dr. Franziska Giffey in Berlin.

“Die Jugendlichen berichten immer wieder davon, wie sehr sie die realen Orte der Verbrechen beeindruckt haben. Diese Erfahrungen können sie nur dort machen.”

Dabei gehe es nicht allein um die Vermittlung von historischem Wissen, sondern besonders auch um den Bezug zur Gegenwart:

„Wer vor Ort erlebt hat, wohin Nationalsozialismus und Rassismus führen, wird mit viel größerer Überzeugung für unsere freiheitliche Demokratie, eine vielfältige Gesellschaft und ein friedliches Europa eintreten“, sagte Familienministerin Giffey.

Zur Vorstellung der Schwerpunkte des Programms „Jugend erinnert“ empfingen Familienministerin Giffey und Außenminister Maas 50 Jugendliche aus Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, dem Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Sie hatten bereits an einer Gedenkstättenfahrt teilgenommen und schilderten, mit welchen Erwartungen sie sich den Lernorten der NS-Geschichte genähert hatten – und welche tiefen Eindrücke ihr Besuch bei ihnen hinterlassen hatte.

„Wir halten in diesen Tagen inne, um der 13 Millionen Menschen zu gedenken, die der Mordmaschinerie der Nationalsozialisten zum Opfer fielen“, sagte Außenminister Heiko Maas im Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Er erinnerte daran, dass das größte Menschheitsverbrechen der Geschichte von Deutschland ausgegangen sei. Dies sei Auftrag und Ansporn zu einem Eintreten gegen Antisemitismus, Antiziganismus und jegliche Form von Diskriminierung und Rassismus.

„Zukunft braucht Erinnerung“, sagte Außenminister Maas. „Wir brauchen ein Erinnern für die Gegenwart.“

Die Förderung von Gedenkstättenfahrten ist nur ein Baustein des Programms „Jugend erinnert“, mit dem die Bundesregierung ein weiteres Vorhaben des Koalitionsvertrages verwirklicht. Darüber hinaus sieht das Programm unter anderem auch einen Wettbewerb an Deutschen Auslandschulen vor („Erinnern für die Gegenwart“), das deutsch-polnische Pilotprojekt „menschen gedenken – jugend macht zukunft“, die Förderung von bi- sowie trilateralen Jugendbegegnungen sowie Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte.

„Wir freuen uns besonders, dass Jugendgruppen nun auch seltener besuchte Erinnerungsorte in Polen (Majdanek und Treblinka), Belarus (Ghetto Minsk und Vernichtungsort Trostenez) und Lettland (Ghetto Riga und Vernichtungsort Bikernieki) erkunden können“,

sagte Peter Junge-Wentrup, der den Bereich Gedenkstättenfahrten für die IBB gGmbH koordiniert. Er hatte gemeinsam mit den zuständigen IBB-Referentinnen Olga Rensch-Wetzel und Emilia Simon die Jugendlichen zu ihrer Präsentation in Berlin begleitet.

Im Jahr 2018 waren aus Mitteln des Kinder- und Jugendplans 142 Gedenkstättenfahrten mit insgesamt 750.000 Euro gefördert worden. Das Programm zur Förderung von Gedenkstättenfahrten läuft unbefristet. Aus Mitteln des Kinder- und Jugendplans des Bundes werden Gedenkstättenfahrten außerschulischer Träger der Jugendarbeit gefördert. Diese Förderung  erfolgt ergänzend zu den Programmen der Länder für schulische Gedenkstättenfahrten.

Alle Fotos auf dieser Seite: Thomas Imo / photothek.net

Hier finden Sie den ursprünglichen Bericht auf www.ibb-d.de.

Tagung: 75 Jahre nach Auschwitz

Tagung in Schwerte: “Der Antisemitismus war nie weg”

„Zum 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz müssen wir ernüchtert feststellen: Der Antisemitismus war nie weg.“ Mit deutlichen Worten eröffnete Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Antisemitismusbeauftragte des Landes Nordrhein-Westfalen, am Freitagabend (24.01.2020) die zweitägige Konferenz „75 Jahre  nach Auschwitz – Potentiale historisch-politischer Bildung an Gedenkstätten und Erinnerungsorten“ in der Evangelischen Akademie Villigst in Schwerte.

Mehr als 100 Akteure der Erinnerungsarbeit sowie Lehrkräfte verfolgten am ersten Tagungstag inspirierende Input-Vorträge von Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Prof. Dr. Astrid Messerschmidt von der Bergischen Universität Wuppertal.

Etwa 100 haupt- und ehrenamtliche Akteure der Erinnerungsarbeit und Lehrkräfte diskutierten an zwei Tagen, wie der Besuch historischer Orte der NS-Zeit vorurteilsbehaftete Haltungen aufbrechen und gegen Antisemitismus und Rassismus wirken kann. Denn: „Auch heute müssen wir uns erneut die Frage stellen, wie wir darauf reagieren, dass Menschen in unserem Land aufgrund ihrer Religion angegriffen, dass Anschläge auf Synagogen verübt und Friedhöfe geschändet werden, und das Wort „Jude“ zu einem gängigen Schimpfwort auf Schulhöfen geworden ist“, sagte Leutheusser-Schnarrenberger weiter. Deshalb sei es ihr auch ein besonderes Anliegen die historisch-politische Bildung als bedeutenden Aspekt im Einsatz gegen Antisemitismus zu würdigen.

„Mit fast 200 Gedenkstättenfahrten nach Auschwitz und zu weiteren Mordstätten jedes Jahr ermöglichen wir nicht nur eine intensive Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte, sondern stellen immer auch die Frage, was dies für jeden einzelnen für die Gegenwart bedeutet“, sagte Peter Junge-Wentrup, Beauftragter für Gedenkstättenfahrten im IBB Dortmund (IBB gGmbH). „Zur Weitergabe der Erinnerung sehen wir uns verpflichtet.“

Diskutiert wurde vor diesem Hintergrund auch, wie zukünftig noch mehr Jugendliche für ein Lernen aus der Geschichte erreicht werden können: „Gedenkstättenbesuche sind oftmals mit der immensen Erwartung verbunden, bei jungen Menschen menschenverachtende und rassistische Haltungen aufzubrechen oder gar eine Immunisierung gegen diese zu bewirken“, sagte Tagungsleiter Michael Moser, Referent für politische Jugendbildung (Schwerpunkt „Demokratie stärken“) im Institut für Kirche und Gesellschaft. „Mir ist es wichtig, hier zu einer realistischen Einschätzung zu gelangen. Durch kontinuierliche Kooperationen zwischen Fachkräften der schulischen und außerschulischen Bildungsarbeit können und sollten die Potentiale historischer Orte aus der Zeit des Nationalsozialismus für die Demokratieförderung genutzt werden.“ Über Chancen und Grenzen einer rassismuskritischen Bildungsarbeit referierte Prof. Dr. Astrid Messerschmidt von der Universität Wuppertal. Stefan Querl vom Geschichtsort Villa ten Hompel Münster berichtete über Zugänge des Lernens an Erinnerungsorten. Gerhard Schick vom WDR stellte das WDR-Projekt AR 1933-1945 als Beispiel für die Rolle der Augmented Reality in der historisch-politischen Bildung vor. In einem Workshop präsentierten Gedenkorte in Bonn, Dortmund und Münster ihr Bildungsangebot. Einen resümierenden Vortrag hielt Dr. Anke Hoffstadt vom Bildungswerk der Humanistischen Union. Außerdem berichteten Jugendliche über ihre Lernerfahrungen im Kontext der NS-Geschichte.

„Mit Tagungen wie dieser möchten wir einen Beitrag zur Netzwerkbildung leisten und einen fachlichen Austausch ermöglichen“, sagte Dr. Astrid Sahm, Geschäftsführerin der IBB gGmbH Dortmund. „Das gemeinsame Engagement ist auch im internationalen Kontext von wichtiger Bedeutung, wenn wir zu einer europäischen Erinnerungskultur beitragen wollen.“

Die Tagung wurde gemeinsam organisiert von der Evangelischen Akademie Villigst im Institut für Kirche und Gesellschaft der Evangelischen Kirche von Westfalen und dem Internationalen Bildungs- und Begegnungswerk gGmbH in Dortmund.

Das IBB in Dortmund (IBB gGmbH) ist seit 2016 anerkannte Zentralstelle zur Förderung von Gedenkstättenfahrten des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). Seit 2019 werden die Gedenkstättenfahrten im Rahmen des Bundesprogramms „Jugend erinnert“ aus Mitteln des BMFSFJ und des Auswärtigen Amts finanziert. Im vergangenen Jahr wurden 185 Gedenkstättenfahrten der außerschulischen Jugendarbeit durch das IBB gefördert (nach 139 Fahrten im Jahr 2018 und 91 Fahrten im Jahr 2017). Aus Mitteln des Kinder- und Jugendplans des Bundes werden Gedenkstättenfahrten außerschulischer Träger der Jugendarbeit bezuschusst. Diese Förderung erfolgt ergänzend zu den Programmen der Länder für schulische Gedenkstättenfahrten.

Foto oben: (v.l.n.r.) Peter Junge-Wentrup, Beauftragter für Gedenkstättenfahrten der IBB gGmbH Dortmund, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Antisemitismusbeauftragte des Landes NRW, Dr. Astrid Sahm, Geschäftsführerin der IBB gGmbH und Michael Moser, Referent für politische Jugendbildung der Evangelischen Akademie Villigst im Institut für Kirche und Gesellschaft eröffneten die Konferenz. Fotos: IBB Dortmund – Stephan Schütze

Die Rede der Antisemitismusbeauftragten Sabine Leutheusser-Schnarrenberger finden Sie hier. 

Das Programm der Tagung finden Sie hier.